Schmerzen bei Multiple Sklerose

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In medizinischen Lehrbüchern finden sich wenig Hinweise auf das Vorkommen von Schmerzen bei MS und es ist eine weitverbreitete Meinung, daß Schmerzen nicht zu den typischen Symptomen der MS gehören.
Seit ca. 1980 wird allerdings erwähnt, daß MS durchaus mit Schmerzen einhergehen kann. Mehr als 50% der MS-Betroffenen leiden unter klinisch relevanten Schmerzen.

Schmerz - was ist das eigentlich?
Schmerz ist ein subjektives Erlebnis, welches oft schwierig zu beschreiben ist und objektiv nicht gemessen werden kann.
Schmerz ist ein unangenehmes Sinnes- und Gefühlserlebnis, das mit aktueller und potentieller Gewebsschädigung verknüpft ist, oder mit Begriffen einer solchen Schädigung beschrieben wird. Die Intensität des Schmerzerlebnisses entspricht allerdings nicht immer dem Ausmaß der hierfür verantwortlichen Gewebsschädigung.
Die Wahrnehmung wird maßgeblich duch Angst, Depression und andere psychologische und soziale Faktoren beeinflusst. Dadurch entsteht auch ein Schmerzgedächtnis.

Man unterscheidet zwischen direkten und indirekten Schmerzen.


Über Medikamente und Behandlungsformen möchte ich bewusst nichts erwähnen, da ich kein Arzt bin. Aber diese Seite ist von einem Neurologen kontrolliert und korregiert worden. Ich möchte daher jedem empfehlen, geht zu eurem Neurologen oder Hausarzt, der dann weiterhelfen sollte. Ausserdem gibt es heute eine Vielzahl an Schmerztherapeuten.



Direkte Schmerzen
Trigenimusneuralgie
Der Trigenimusnerv besteht aus drei Ästen: dem Augennerv (Nervus ophthalmicus), Oberkiefernerv (Nervus maxillaris) Unterkiefernerv (Nervus mandibularis).
Diese anfallsartigen, halbseitigen, auf bestimmte Teile des Gesichts begrenzten Schmerzattacken treten oft spontan auf, können aber auch durch äußere Reize (wie kalten Luftzug, Kaubewegungen, Zahn-Erkrankungen ...) ausgelöst werden und dauern in der Regel nur kurz. Diese Schmerzen sind äußerst heftig, viele Patienten beschreiben sie wie Eispickel-
stechen. Die Ursache ist/könnte ein Plaques im Kern des 5. Hirnnervs (Nervus Trigenimus) im Hirnstamm sein.
Nackenbeugeschmerz
(Lhermitte Zeichen)
Bei starkem Vorbeugen des Kopfes tritt ein ‚rieselndes' Gefühl entlang der Wirbelsäule auf, das vom Genick über die Schultern und die Wirbelsäule bis zu den Armen und Beinen ziehen kann, manchmal auch ein Schmerz wie bei einem elektrischen Schlag.
Ursache könnten Veränderungen des Rücken-
marks im Halsbereich sein.
Missempfindungen
Parästhesien

In den sensibel gestörten Gebieten können als Folge einer Entzündung der Myelinscheiden von sensiblen Nervenbahnen ganz unterschiedliche Empfindungsstörungen auftreten.
Der Bereich kann übermäßig stark auf eine Berührung reagieren, so dass zum Beispiel bereits der Stoff der Bekleidung auf der Haut ein Brennen oder sogar Schmerzen hervorruft. Vielfach kommt es auch zu einem kribbelnden Gefühl in den betroffenen Gebieten, so als würden Ameisen darüber laufen. Ein weiteres häufiges Erscheinungsbild von Sensibilitätsstörungen bei der MS ist das Taubheitsgefühl, als wäre ein Bein oder Arm eingeschlafen. Berührungen der betroffenen Hautbereiche werden dabei weniger oder gar nicht wahrgenommen.

Tonische Hirnstammanfälle
Hirnstammanfälle bestehen in schmerzhaften Verkrampfungen einer Körperseite, bei denen es isoliert oder in Verbindung mit anderen Schmerzen zunächst zu einer schmerzhaften Verkrampfung der Handmuskeln kommt, die dann von einer ebenfalls schmerzhaften Beugung im Ellenbogen und Hochziehen der Schulter sowie unter Umständen den gleichartigen Beschwerden im Bein derselben Körperhälfte begleitet werden. Die Ursache besteht wie bei anderen Schmerzen durch die Entmarkung fehlgeleiteter Nervenimpulsen im Hirnstamm
Indirekte Schmerzen
Augenschmerzen
Treten bei einer Sehnerventzündung auf. Ausgeschlossen werden sollten Schmerzen durch erhöhten Augendruck, letzterer muss manchmal notfallmäßig behandelt werden um eine Erblindung zu verhindern.
Nervenwurzelschmerzen
Schmerzen im Versorungsgebiet von Nerven-
wurzeln, hervorgerufen durch Wirbelsäulen-, Bandscheibenveränderungen müssen von MS-Herden in der Wurzeleintrittszone des Rückenmarks unterschieden werden
Spastik
Der Muskeltonus, der sich fast immer verändert und vom Normotonus abweichend. Tonus ist etwas sehr individuelles. Jeder Mensch hat seinen individuellen Normotonus. Gemessen, besser gespürt, ist es die Menge an Widerstand, die einer passiven Bewegung entgegengesetzt wird. Dieser Muskeltonus kann sich bis auf ein Minimum verringern, Hypotonus bis Atonus. Bewegungen und Halten gegen die Schwerkraft und das Verarbeiten des Körpergewichtes ist kaum oder überhaupt nicht möglich.
Bei einer Spastik ist der Tonus erhöht, manchmal bis zur ständigen Verkrampfung, dann sind auch die Reflexe gesteigert. Spastik ist bei der MS häufiger als eine Tonuserniedrigung.
- Tonus ist der Zustand von variabler Aktivität und /oder der Bereitschaft innerhalb eines Muskels.
- Tonus ist anpassungsfähig an eine propriozeptive Kontrolle.
- Tonus muss hoch genug sein, um gegen die Schwerkraft arbeiten zu können und um eine dynamische Stabilität zu gewährleisten.
- Tonus muss niedrig genug sein, um eine Bewegung zu erlauben und die Mobilität zu gewährleisten.
Beuge- und Streckspasmen
Häufig nachts auftretende unwillkürliche, automatische, schmerzhafte Kontraktionen der Beugemuskeln, u.a. der Beine (Beine an den Leib gezogen), wobei willentliches Gegenstrecken nicht möglich ist.
Blasenstörungen
Spastische Harnblase - Imperativer Harndrang Diese Störung beruht auf einer Überaktivität der blasenentleerenden Muskulatur, so das schon geringe Harn-
mengen zu einer übermäßigen Aktivität der Blase mit der Folge häufiger Entleerungen kleiner Harnmengen führen.

Enleerungsstörungen
Die Entleerung der Blase kann behindert, verzögert oder unvollständig sein. Dadurch entstehen Restharnbildungen.

Kombinierte Störungen
Bei den kombinierten Störungen bestehen neben einer Überaktivität der äußeren Schließmuskulatur der Blase (bei Beckenbodenspastik) ständig unkoordinierte Aktivitäten der eigentlichen Blasenwand-
muskulatur, die den Urin aus der Blase durch Zusammenziehen heraustreibt. Somit ergibt sich eine Entleerungsstörung mit sog. Starthemmung sowie zusätzlicher Restharnbildung.

Alle drei Blasenentleerungs-Störungen können zu häufigen Harnwegsentzündungen führen. Viele greifen zur Selbstkatheti-
risierung, die auch viele Entzüngungen mitsichbringt
Schluckstörungen

Dysphagie
Die Ursachen von Schluckstörungen sind vielfältig. Auch wenn die Dysphagie meist in Stress-Situationen auftreten sollte.
Bei Beschwerden am Beginn des Schluckaktes handelt es sich meist um eine oropharyngeale Dysphagie und kann Schmerzen auslösen
Darmstörungen:
Verstopfungen
Durchfall

Obstipation
Die Betroffenen leiden meistens unter Völlegefühl und einem allgemeinen Unwohlsein. Der Bauch kann angeschwollen sein. Häufig ist der Stuhlgang dann schwierig und oft schmerzhaft. Nicht selten kommt es zu Hämoriden und kleinen Einrissen
Gestörtes Temperaturempfinden
Neben dem Berührungsempfinden kann auch der Temperatursinn gestört sein. Dabei werden an verschiedenen Stellen des Körpers die Wärme oder Kälte eines Gegenstandes nicht richtig empfunden oder schmerzhaft erlebt. (Verbrennungen)
Migräne und Spannungs-Kopfschmerzen
Sind kein typisches MS-Symptom kommen aber auch bei MS- Kranken vor.
Intercostalneuralgien
Das sind Schmerzen entlang der Rippen oder im Brustbereich..
Druckgeschwüre
Dekubitus
Dekubitus = Wundliegen - ist die Bezeich-
nung für Druckgeschwüre. Sie entstehen - so wie der Name schon sagt - durch eine ständige Druckbelastung der Haut an einer Stelle. Besonders gefährdet sind Kranke mit eingeschränkter oder aufgehobener Beweg-
lichkeit. Durch den anhaltenden Druck beim liegenden/sitzenden Kranken auf eine bestimmte Körperregion werden die kleinen Blutgefäße (Kapillare) zusammengedrückt. Die Haut/das Gewebe wird ungenügend durchblutet und dadurch mangelhaft versorgt.
Wichtig ist das beginnende Druckgeschwür rechtzeitig zu erkennen. Das erste Stadium des Dekubitus ist eine Rötung eines Haut-
bezirkes die auch nach einer Druckentlastung durch Lagewechsel nicht verschwindet. Wird weiterer Schädigung nicht sofort vorgebeugt kommt es zu Blasenbildung oder Hautab-
schürfung schließlich zu Gewebszerfall - zu Druckgeschwüren und Schmerzen kommen.



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© 1998-2003 Monika Eßer